Kolumne von Thomas Bublitz

Lasst Fakten sprechen

Wir erleben es immer öfter: Wenn Falsches nur oft genug wiederholt wird, glauben viele nach einiger Zeit, die Behauptungen wären richtig. Dass die Fallpauschalen zu Billigmedizin geführt hätten und dass Gewinne im Krankenhaus ein großes Übel seien, sind solche Narrative. Das Perfide daran ist, dass selbst noch so sachliche Argumente und rationale Richtigstellungen oft wirkungslos und ungehört bleiben. Ich versuche es trotzdem.

Richtig ist, dass das Fallpauschalensystem – wie alle anderen Vergütungssysteme auch – neben gewollten auch ungewollte Anreize setzt. Richtig ist aber auch, dass sich die Qualität der medizinischen Versorgung und der medizinische Fortschritt während der DRG-Phase in den letzten 20 Jahren äußerst rasant und positiv entwickelt haben. Diagnostik, bildgebende Befundung, minimalinvasive Chirurgie, Roboterunterstützung, Labortechnik, neue Arzneimittel- und Strahlentherapien, Senkung vermeidbarer Infektionen und Zwischenfälle, Spezialisierung und Zentrenbildung haben zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlungsqualität geführt. Profitiert haben davon die Patient:innen durch höhere Überlebenschancen und eine verbesserte Lebensqualität. Das als Billigmedizin zu bezeichnen, ist schlichtweg falsch.

Gleiches gilt auch für die Gewinne von Krankenhäusern. Erstens waren und sind die Kliniken wegen der unterbliebenen Investitionszahlungen der Bundesländer dazu gezwungen, Überschüsse zu erzielen, sonst können sie nicht investieren. Zweitens ist die Darstellung falsch, es handele sich um „übertriebene“ Renditen, die zulasten des Patientenwohls gingen. Tatsächlich haben die vier größten privaten Krankenhausträger im Jahr 2021 insgesamt Überschüsse in Höhe von 931 Millionen Euro ausgewiesen, das sind bei 250 Kliniken 3,72 Millionen Euro je Klinik. Die Charité (7,8 Millionen Euro) oder das Klinikum Rostock (7,14 Millionen Euro) weisen rund doppelt so hohe Gewinne aus. Ein Großteil dieser Gewinne fließt in neue Medizintechnik. Es zeigt sich, dass das, was als „Profitgier“ diffamiert wird, eine gute unternehmerische Leistung ist, die der Qualität der Versorgung und damit dem Gemeinwohl dient. Ich glaube übrigens nicht, dass die Versorgung der Patient:innen besser gewesen wäre, wenn die betreffenden Kliniken Verluste gemacht hätten.

Im Interesse der Patient:innen ist deshalb zu hoffen, dass Bundesgesundheitsminister Lauterbach bei der Krankenhausreform zu dem steht, was er in der Pressekonferenz zur Vorstellung der Kommissionsempfehlungen gesagt hat: Wenn Gewinne zu guter Qualität führen, sei dagegen nichts einzuwenden.